Eigentlich hätte ich viel zu erzählen, aber ich bin nicht motiviert zu schreiben. Fangen wir mit einer Nachricht aus Seattle an. Dort leistete eine sechzehnjährige Schülerin ehrenamtliche Arbeit in einer Grundschule und plante, mit den Schülern Ostereier zu füllen und zu verstecken. Eine Grundschullehrerin verbot angeblich das Wort “Ostereier” und bestand auf der Bezeichnung “Frühlingskugeln” (“spring spheres”).
Das Seattle-Blog schreibt, die Geschichte konnte nicht überprüft werden, passe aber zum Grundsatz der Stadtverwaltung, Religionen an Feiertagen außer acht zu lassen. So werde an Ostern bereits eine Frühlingseiersuche veranstaltet und zu Weihnachten stelle man Fichten der Harmonie und des Friedens auf.
Hier findet ihr noch einen deutschsprachigen Artikel aus der Schweiz dazu.
Ich fürchte den Tag, an dem es bei uns mit der politischen Korrektheit soweit ist.
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Bisher kannte ich satirische Texte und Filme, in denen sich über Urlaubsvideos und deren Opfer lustig gemacht wurde. Selbst erlebt hatte ich so etwas allerdings bis vor kurzem nicht. Die komische Verfremdung sieht so aus: harmonisch verlaufende Pärchenabende für die Hälfte der Teilnehmer ruiniert wird, indem die andere Hälfte sagt: “Habt ihr schon unseren Film von Fuerte gesehen?” Weitererzählt wird dann meist im Zeitraffer. Im Film schlafen die Nichturlauber immer wieder ein oder suchen nach Entschuldigungen, um den Raum zu verlassen – wenn nicht gleich die Wohnung. In den USA sagt man in solchen Fällen “Wir müssen gehen, der Hund ist allein zu Hause.” Das funktioniert bei entfernten Bekannten auch dann, wenn man keinen Hund hat.
Wir haben keinen Hund, keine Kinder, kein anderes Haustier. Leider wissen das die Bekannten, die uns neulich unbedingt ihr Mallorca-Video zeigen wollten. Sie waren so erpicht darauf, dass sie sich auch nicht von einer halben Stunde technischer Schwierigkeiten abhalten ließen. Sie fuhren den Computer hoch und fanden den Film nicht. Sie durchsuchten erfolglos die DVD-Sammlung. Schließlich fanden sie ihn auf der Playstation, mussten dann aber noch ein Problem mit Bildformat und Ton lösen. “Ihr müsst den sehen”, hieß es. “Der ist so cool,” hieß es.
Die Spannung stieg ins Unendliche. Ich erwartete Strandansichten, trockene Landschaften und verrauschte Kommentare. Was ich dann aber sah waren die betrunkenen Eltern der Gastgeberin. Fünfundvierzig Minuten lang hat sie uns ihre besoffenen Eltern vorgeführt – am Frühstückstisch, im Bett, im Ort – und ständig kommentiert mit: “Das ist so cool, meine Eltern sind so cool. Haha, meine Mama ist so dicht.”
“Hat sie uns wirklich ein Video von ihren betrunkenen Eltern gezeigt?”, fragten sich hinterher der Freund und ich. Eigentlich dachten wir, ganz nette neue Leute kennengelernt zu haben – und ja – ganz nett sind sie durchaus, aber eine sehr enge Freundschaft wird das wohl nicht werden.
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Um die Auto-Story abzuschließen: Ich habe meins seit ca. zwei Wochen wieder, habe den klappernden, neunzehn Jahre alten Werkstatt-Golf zurückgegeben und bin froh darüber. Das Ding, das ich fahre, ist zwar auch nur drei Jahre jünger, aber weitaus besser in Schuss. Und der Tank ist jetzt auch endlich wieder dicht.
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