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Schlagwort-Archive: Rentner

Wild Flower lernt neue Wörter. Heute: der Damenspaten

Der Vorbesitzer unseres Gartens war ein Sammler, der alle Geräte mindestens doppelt oder dreifach besessen hat. Gestern haben wir fünf rostige Spaten innerhalb unserer Umzäunung gezählt. Einen davon habe ich schon vor drei Wochen beim Umgraben zerbrochen. Bleiben vier.

Aus reiner Neugier habe ich heute im Baumarkt nachgeschaut, wieviel eine neue Schaufel kosten würde. Für eine in normaler Länge muss man etwa fünfzig Euro eintauschen. Dann gibt es allerdings noch die sogenannten Damenspaten. Sie unterscheiden sich vom Standardspaten offenbar nur durch einen etwas kürzeren Stiel. Dafür sollen sie nur sechsundzwanzig Euro kosten. Na, dann weiß ich doch was ich kaufe, sobald ich die restlichen vier Schippen kaputtgemacht habe.

Eine andere Definition von Damenspaten:
Ein besonders fotogenes Gartengerät, mit dem Politikerinnen und Politikergattinnen zum berühmten, symbolischen ersten Spatenstich antreten. Eigentlich sind Damen ja zu fein zum Schaufeln, nicht wahr?


 

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Was ich eigentlich auch keinem erzählen kann…

… ist, dass ich Anfang der Woche auf der Überholspur der Autobahn von einer grauhaarigen Rentnerin mit Ballonmütze auf dem Kopf bedrängt wurde. Die Dame saß in einem Golf 3.

Die Geschichte relativiert sich allerdings, wenn ich ergänze, dass ich 130 gefahren bin. Das war ihr wohl immer noch zu langsam – na sowas.

 
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Geschrieben von - 6. April 2012 in Auto, Kurioses, Menschen

 

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Der älteste Sittenstrolch der Welt

Selten kaufen wir Neues, bevor das Alte wirklich kaputt oder sehr unbequem zu bedienen ist. Eine Ausnahme in letzter Zeit war ein neues Telefon, das ich letzte Woche bestellt und heute ausgepackt habe. Jetzt muss meinem Freund noch die Farbe gefallen – ein helles Grau. Das neue hätte endlich eine Anrufererkennung – etwas, das wir am alten sehr vermissen, besonders, weil uns alle paar Wochen ältere Mitbürger auf der Suche nach Freunden und Verwandten anrufen. Und nie glauben wollen, dass sie sich verwählt haben. So hört sich das z.B. an:

Telefon: *klingel*

WF: Flower

Telefon: *Stille*… dann: angestrengtes Atmen und die Stimme eines alten Mannes…

Alter Mann: *laut* Ja! Gib mir mal die Mutti!

WF: Kann es sein, dass Sie sich verwählt haben? Meine Mutter wohnt nicht hier.

Alter Mann: *Pause und angestrengtes Atmen* Gib mir mal die Mutti!

WF (langsam und laut): Ich bin ganz sicher, dass Sie sich verwählt haben, und ich lege jetzt auf. Wiederhören.

Entweder war er taub oder der älteste Sittenstrolch der Welt.
Und dann ruft noch regelmäßig eine alte Dame an, die eine Frau Kraft (oder so) sprechen will. Sie versucht es immer mehrmals hintereinander und landet immer bei uns.

 
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Geschrieben von - 29. August 2011 in Kurioses, Menschen, Mitgehört

 

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Schwiegermutter vs. DVD-Player

Meine Schwiegermutter ist für ihre Anfang Siebzig eigentlich noch ziemlich rüstig und fit. Sie fährt Auto, geht zum Tanzen und Kegeln und hat einen Laptop, auf dem sie ihre selbstgeschriebenen Gedichte abtippt und speichert. Vor einer Weile hat sie sich sogar intensiv für einen Internetanschluss interessiert, weil Freundinnen ihr von den Möglichkeiten des Netzes erzählt hatten und fast alle Fernsehsendungen inzwischen auf ihre Webseiten hinweisen.

Beinahe hätte sie schon einen Vertrag unterschrieben, aber wir konnten sie noch
überreden, vorher einmal bei uns probezusurfen. Wir zeigten ihr den Internetauftritt der Tagesschau, eine Suchmaschine, eine Seite mit Kochrezepten und YouTube. Aber das ganze Konzept gefiel ihr nicht. Sie wollte die Maus nicht selbst bedienen, und nach einer Minute hat sie nicht mehr zugehört und laufend das Thema gewechselt. Dann kam sie zu dem Schluss, das Internet sei wohl doch nichts für sie. Offenbar hat sie es sich anders vorgestellt – nur wie, das weiß ich nicht. Vermutlich linearer aufgebaut und weniger interaktiv.

Vor einigen Monaten bekam sie ihre erste DVD geschenkt. Der Sohn einer ihrer Mittänzerinnen hatte einen Auftritt gefilmt, geschnitten, mit Menü versehen und für alle Mitglieder der Tanzgruppe gebrannt.  Also wollte sie nun einen DVD-Player haben, um den Auftritt ansehen zu können und bat uns, für sie einen kaufen zu gehen. Wir wiesen auf das DVD-Laufwerk ihren Laptops hin, aber das wollte sie nicht benutzen. Dann müsse sie ja jedes Mal den Laptop ins Wohnzimmer tragen, wenn sie ihren Tanzauftritt sehen wolle.

Also gut. Wir kauften einen günstigen DVD-Player mit übersichtlicher Fernbedienung und zusätzlichen, gut sichtbaren Tasten an der Front des Geräts. Am folgenden Sonntagnachmittag trugen wir ihn in ihre Wohnung, bauten ihn auf, legten eine Beispiel-DVD ein und begannen die Erläuterungen. Alles war gut, alles war schön. Bis wir zum unvermeidlichen Menü auf der DVD kamen.

Freund: Und jetzt siehst du auf dem Bildschirm mehrere Möglichkeiten… du kannst dir den Film angucken oder Interviews mit den Schauspielern oder eine Vorschau für neue Filme…

Schwiegermutter: Aber das will ich alles nicht, ich will den Film sehen.

Freund: Okay, wir wollen den Film sehen, also drückst du auf der Fernbedienung die Pfeiltasten, bis die Taste “Film” auf dem Bildschirm rot wird… Dann drückst du auf Enter… Dann startet der Film. (Der Film startet.)

Schwiegermutter: Was hast du denn jetzt gemacht?

Freund: Ich gehe nochmal zurück. Auf dem Bildschirm sind Tasten.

Schwiegermutter: Wo?

Flower: *zeigt* Da.

Schwiegermutter: Aha.

Freund: Auf der Fernbedienung sind Knöpfe mit Pfeilen.

Schwiegermutter: Ja.

Freund: Wenn du die Knöpfe mit den Pfeilen drückst, ändert eine von den Tasten auf dem Bildschirm die Farbe. Wenn du dann Enter drückst, passiert das, was auf der Taste steht.

Schwiegermutter: Was für Tasten?

Freund: Die Tasten auf dem Bildschirm. Die ihre Farbe ändern.

Schwiegermutter: Aber ich weiß doch gar nicht, welche gerade die Farbe geändert hat.

Freund: Doch. Die, die anders aussieht, als die anderen.

Schwiegermutter: Mach doch einfach, dass der Film anfängt – ohne das.

Freund: Ohne was?

Schwiegermutter: Na, ohne die ganzen Tasten und das Gedrücke. Immer kaufst du solche komplizierten Geräte. Kannst du nicht mal was einfaches kaufen?

Freund: So funktionieren DVDs nun mal, das geht nicht anders.

Schwiegermutter: Ach, das sagst du doch jetzt nur so. Das ist mal wieder typisch.

— Schwiegervater schaltet sich leicht erbost ein. —

Schwiegervater: Weißt du, wir alten Leute können das nicht mehr so, da musst du auch mal an deine Mutti denken.

Schwiegermutter: Da hörst du’s.

Schwiegervater: Vielleicht müssen wir den Linpinsky anrufen, wenn das nicht geht. Hast du die Nummer da, Marianne?

— Herr Linpinsky betreibt ein Elektronikgeschäft und macht bei Bedarf auch Hausbesuche. Der arme Mann. Dafür sollten wir ihn wirklich nicht bemühen, erst recht nicht an einem Sonntag. —

Flower: Diese Menüs sind auf den DVDs drauf, nicht im DVD-Player. Das Gerät kann nichts dafür.

Schwiegervater: Bist du sicher?

Flower und Freund (nachdrücklich): Ja!

— Beruhigung kehrt langsam wieder ein. —

Schwiegermutter: Lass uns mal probieren, ob das Video mit meinem Tanzen funktioniert.

Wir leiten sie durch das Menü, sie erklärt uns den Tanz. Hinterher fragt sie: “Muss ich das jetzt noch zurückspulen?”

Flower: Nein, Marianne, das funktioniert wie bei einer CD. Die musst du ja auch nicht zurückspulen.

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Seitdem hat sie keine DVD mehr angesehen.

Neulich haben wir aus der Videothek “True Grit” ausgeliehen. Da mein Freund von dem Film so begeistert war, hatte er auch seiner Mutter davon erzählt. Die sagte: “Klingt gut, würde ich auch gern sehen.” Da die Leihfrist über mehrere Tage lief, brachte er die DVD am Morgen des Abgabedatums bei ihr vorbei und sagte, er würde sie abends wieder abholen, um sie zurückzugeben.

Beim Abholen fragte er, wie sie damit zurechtgekommen sei. Mit dem Menü gar nicht, sagte sie, das Auswählen habe nicht geklappt. Sie habe aber trotzdem einen Teil des Westerns “über diesen Mann” gesehen. Vor dem Menü sei er gelaufen. Irritiert fragte mein Freund nach dem Inhalt – Hauptperson in “True Grit” ist schließlich ein junges Mädchen. Auch in den Trailern kam hauptsächlich sie vor, wenn ich mich richtig erinnere.

Nein, sagte Schwiegermutter, einem Mann sei in einem Western ein technisches Gerät an den Arm gebunden worden. Ah, ein Trailer zu Cowboys and Aliens!

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Das Problem mit Schwiegermutter und Technik ist, dass sie

  1. eine ganz klare Vorstellung hat, wie etwas funktionieren sollte
  2. nie zuhört, wenn man etwas erklärt
  3. uns bzw. meinem Freund die Schuld gibt, wenn etwas nicht so funktionert, wie sie denkt, dass es funktionieren sollte.
 

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Mitgehört: Bitte keine Fremdwörter wählen

Heute morgen um halb sechs wurde ich von sehr lauter Technomusik im Nachbarhaus geweckt. Die sozial herausgeforderten Bewohner waren recht frisch aus der Disko nach Hause gekommen, und die Wirkung ihrer Pillen war vermutlich noch nicht weit genug abgeklungen. Sie schrieen zur Musik, meist ohne Worte. Manchmal hörte ich aber auch ein “Yee-haw” durch die Wand kommen. Yee-haw.

Draußen erwachte gerade der Tag. Ich hätte gerne länger geschlafen. In meinem Bücherregal sah ich einen Autoaufkleber liegen, den der Freund mir vor einiger Zeit als Scherz geschenkt hatte, und Rachegedanken stiegen in mir auf. Hätte ich nur eins der Idiotenautos identifizieren können, der Idiot würde jetzt mit einem “Anfänger”-Sticker am Heck herumfahren. Nun ja, vielleicht beim nächsten Mal.

Einige Stunden später marschierte vor dem Haus gegenüber ein Posaunenchor der Heilsarmee auf und begann sein gottgefälliges Werk zu verrichten. Mich störten sie nicht so sehr, ich war ja schon wach. Im Obergeschoss des Nachbarhauses öffnete sich jedoch ein Fenster und heraus schaute ein sehr gut getroffenes, mißmutiges Double von Markus Maria Profitlich. Der dicke, glatzköpfige Mann trug ein Feinrippunterhemd, dessen rechter Träger über seine Schulter heruntergerutscht war und seine Brust in Körchengröße B entblößte. Er starrte auf die gläubigen Herren in Uniform herunter, schien schlechtgelaunt vor sich hinzumurmeln und verschwand nach einigen Minuten wieder in seinem Schlafzimmer.

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Die heutige Folge von “Mitgehört” stammt aus einem Wahllokal, das in einer Ganztagsschule aufgebaut worden war. Die Schüler können in dieser Schule zu Mittag essen.

Rentnerin mit Stimmzettel: Was ist denn das für ein grünes Gebäude auf dem Schulhof?

Wahlhelferin: Das ist die Mensa für die Schüler.

Rentnerin mit Stimmzettel: Was ist das?

Der 2. Wahlhelfer versucht es anders: Das ist die Kantine.

Rentnerin mit Stimmzettel: Entschuldigung, aber was ist das?

Wahlvorstand: Das ist das Haus, wo die Schüler essen können.

Rentnerin mit Stimmzettel: Ach so, danke schön!

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Amazon.com hat zur Zeit mindestens fünf Bücher im Programm, die Tipps und Ratschläge zum Spielen von Farmville geben, u.a. den Titel “Farmville for Dummies” aus der bekannten gelb-schwarzen Reihe.

Passt. Es ist erstaunlich, im Bekanntenkreis mitzuerleben, wie eigentlich intelligente Menschen ihren Zeitplan von ein paar Pixelgurken bestimmen lassen.

 
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Geschrieben von - 27. März 2011 in Internet, Mitgehört, Nachbarn

 

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