Dieser Ausspruch soll von Aristoteles stammen, der der Meinung war, Geld und Genuss führten nicht zum Glück. Er fällt mir gelegentlich ein, wenn der Freund und ich mal wieder feststellen, dass fast alle aus unserem Bekanntenkreis zwar mehr Geld verdienen als wir, es aber auch in Mengen für überaus unsinnige Dinge wieder ausgeben.
Neulich fuhr ich allein zum Spieleabend voraus, und mein Freund wollte nachkommen. Wir waren bei einer Freundin verabredet, die ein Einzelkind im Kindergartenalter hat. Dieses Kind hat sie per geplantem Kaiserschnitt zur Welt gebracht – und den Geburtstermin so gelegt, dass der Junge nicht mehr im Sternzeichen Stehlampe, sondern im Sternzeichen Fensterglas zur Welt kam, weil das ja viel besser zu ihrem eigenen passt.
Keine Ahnung, welches Sternzeichen er wirklich hat. Jedenfalls tänzelt er immer ganz unauffällig auffällig vor ihrem Besuch herum, so als wollte er sagen “Beachte mich, beachte mich.” Naja, er ist noch klein. Es nervt aber trotzdem.
Ich packte meine Spiele aus, er tänzelte, sie kramte in meinen Sachen herum und sagte: “Oh, guck mal, Mahatma-Kurgan, das Spiel hier kannst du mal mit Flower spielen.”
Na super. Damit hatte sie uns beide beschäftigt und freie Bahn für ihre Vorbereitungen. Aber wenn ich schon auf fremde Kinder aufpassen soll, möchte ich wenigstens vorher gefragt werden. Hätte es nicht in Strömen geregnet, ich hätte “zufällig” nochmal zum Auto gehen müssen.
Als die anderen schließlich ankamen, schickte sie das Kind weg. Ich fühlte mich dagegen in eine Teleshopping-Sendung versetzt, weil ich plötzlich nur noch hörte:
- und rührt mit x Umdrehungen in der Minute
- und kann auch kochen mit dem Kochaufsatz
- und das Kochbuch gibt es gratis dazu
- Teig bleibt nicht kleben
- so kraftvoll
- man kann damit auch x, y und z machen
- die Santascha will den so dringend, ist aber arbeitslos, deshalb arbeitet sie ihn jetzt ab (WTF!?)
Ob wir auch einen wollten? Man würde bald wieder eine Verkaufsveranstaltung abhalten.
Was denn überhaupt, musste ich nachfragen – und verfluchte im Stillen den Freund, weil er immer noch nicht da war.
Na, einen Wärm-O-Misch natürlich, war die Antwort. Die absolute ultimative Küchenmaschine mit Kochfunktion aus dem Hause eines bekannten Staubsaugerherstellers.
Och nö, winkte ich ab. Nach meiner Erfahrung benutze man so etwas nur ein paar Mal und danach nicht mehr, weil Aufbau und Reinigung so aufwendig seien.
Aber nein, sagten die Gehirngewaschenen. Reinigung ganz einfach, Gerät ganz klein, kann ganz viel, sogar mehr als eine KüchenHilf, die nur rührt. Und dabei noch günstiger. Das stellte sich im nachhinein als unglaubliche Untertreibung heraus, da eine KüchenHilf ungefähr 500 Euro kostet und ein Wärm-O-Misch etwa 900 Euro.
Ich musste aber wieder absagen. Wenn das Ding zusätzlich noch staubsaugen könne, dann vielleicht. So aber leider nicht. Inzwischen hat unser halber Bekanntenkreis so ein Teil und was stellen sie damit her? Kräuterbutter und Teig für selbstgebackenes Brot, das nicht schmeckt. Aber sie versichern sich immer wieder gegenseitig: “Ja, das haben wir mit dem Wärm-O-Misch gemacht.” Die Investition darf ja nicht umsonst gewesen sein.
____________
Und neulich hörte ich ein Gespräch zwischen Azubi Sabrina und einer Kollegin:
Kollegin: “Ich muss für die Salate noch so viel Gemüse kleinschneiden…”
Sabrina: “Hast du denn keinen Wärm-O-Misch?”
Argh!
Und dann gibt es noch die, die sich Kühlschränke und Kaffeemaschinen für tausende Euro kaufen. Nein, wozu brauche ich zu Hause eine Gastronomie-Kaffeemaschine? Erstens ist die Anschaffung viel zu teuer, zweitens die Nachfüllteile, Wartung und Reparatur, drittens werden die ganzen Schläuche doch wahrscheinlich nie richtig sauber und viertens nimmt das Gerät zu viel Platz weg.
Naja, genug gemeckert für heute. Muss mir eine Geschäftsidee ausdenken. Teuer und Begehrlichkeiten erweckend.
____________
Doch, eins noch: Zufällig habe ich noch einen schönen Comic von Max Goldt und Stephan Katz gefunden, der das Thema überteuerte Kaffeemaschinen in Privathaushalten thematisiert.
Teil eins liegt hier: http://katzundgoldt.de/zutatenarchiv/port_kongress_1.jpg
Teil zwei liegt hier: http://katzundgoldt.de/zutatenarchiv/port_kongress_2.jpg
Und ich hatte diejenigen Bekannten ganz vergessen, die sich regelmäßig neue Handys oder Fernseher kaufen, sobald Nachfolgemodelle mit einem neuen Anschluss oder einem Zentimeter mehr Bildschirmdiagonale auf den Markt kommen. Dann erzählen sie stundenlang von den neuen Geräten und von den Mühen, die alten Geräte bei Ebay zu verkaufen. Gähn, wie langweilig.
Gefällt mir:
Sei der Erste, dem diese(r) Artikel gefällt.