Kurz zusammengefasst: eine lieblos zusammengestümperte Variante von “High School Musical”, nur diesmal mit Puppen. Die erste Hälfte ist viel zu melancholisch und konzentriert sich zu sehr auf die ziemlich uncharismatischen menschlichen Hauptdarsteller. Die Dialoge: furchtbar. Entweder endlos ausgewalzt oder wichtige Wendungen werden plötzlich mit einem einzigen Satz beschlossen.
Die Kostüme und Moral stammen direkt aus den Fünfzigern. Welcher dreißigjährige Mensch wohnt noch zu Hause und teilt sich mit seinem Bruder ein Kinderzimmer, wenn er seit zehn Jahren eine Freundin hat, die er heiraten möchte? Vielleicht war es als Anspielung auf das Zimmer von Ernie und Bert gedacht, die allerdings gar nicht aus der Muppet Show stammen.
Und dann der ständige Musicalgesang… und das Tanzen… und der ca. 60-jährige weiße Schurkengeschäftsmann im Maßanzug, der plötzlich auf seinen Schreibtisch springt und anfängt zu rappen. Zu rappen. Und die Lieder sind nicht mal gut, ich kann mich an keins wirklich erinnern. Die Musik in High School Musical war wenigstens noch ganz nett. Dort haben die Schauspieler während ihrer Gesangseinlagen auch authentischer falsch gelächelt.
Extrem lästig fand ich außerdem das aufdringliche Product Placement. Wenn die Anzeigen ca. zehn Prozent der Leinwand ausmachen ist das deutlich zu viel. Ebenso, wenn die Darsteller in einem Auto fahren, das in den USA gar nicht verkauft wird und das Markenlogo aber trotzdem deutlich zu sehen ist. Diese Straßenszene wurde also extra für europäische Zuschauer ein zweites Mal gedreht und hineingeschnitten, damit auch in Europa noch Absatzchancen erhöht werden können. Wenn ein sowieso schon riesiges Unternehmen noch Product Placement betreibt, dann finde ich das schon fast unmoralisch.
Eine traurige Metapher für den ganzen Film war, wie die Muppets sich selbst keine neue Show mehr zutrauten, weil sie – sinngemäßes Zitat – “früher gut waren, aber es heute nicht mehr können, es einfach nicht mehr draufhaben”.
Als Botschaft wird wie eigentlich immer bei Disney der American Dream propagiert. “Du kannst alles schaffen, wenn du nur fest daran glaubst”. Jemand müsste mal zählen, in wie vielen ihrer Filme dieser Satz auftaucht. Irgendwann müssten die Zuschauer doch mal merken, dass sie immer nur den selben Kram in anderer Verpackung bekommen, oder?
Ein paar gute Szenen waren trotzdem dabei. Die Show selbst war gut, wenn auch viel zu kurz. Jack Black ergänzte Fozzy Bear ziemlich gut – auch wenn er gekidnppt und nur unfreiwillig sein Partner war.
Und schließlich macht es wegen der anderen Zuschauer kaum noch Spaß ins Kino zu gehen. Wir hatten uns den Nachmittag des Rosenmontags ausgesucht, in der Hoffnung, viele Kinder seien bei Karnevalsfeiern. Ein paar waren schließlich doch da, mehr als wir erwartet hatten. Nichts gegen Kinder, aber…
- … muss man wirklich Fünfjährige ins Kino mitnehmen, die alle paar Minuten laut nach der Bedeutung eines Wortes aus den Dialogen fragen?
- … oder Kinder, die offenbar nur die Sesamstraße kennen und bei jeder ihnen unbekannten Puppe fragen “Wer ist das?” oder bei jeder orangefarbenen Puppe “Ist das Ernie?” Leute, die Muppet Show ist etwas anderes als die Sesamstraße.
- … oder muss man seinen Kindern so viel Essen kaufen, dass sie zwei Stunden lang mit Verpackungen knistern, ständig Süßigkeiten runterwerfen (und von Mama wieder aufheben lassen) und die komplette Sitzreihe mit Popcorn einsauen?
Argh!
So, eigentlich wollte ich weniger zum Film und mehr zu anderen Themen schreiben, aber nun ist es doch ein langer Muppet-Eintrag geworden. Das war einer der wenigen Filme, bei denen ich am liebsten früher aus dem Kino gegangen wäre. Und unter diesen war es der, auf die ich mich am meisten gefreut hatte.