Viel Berichtenswertes ist in den letzten Wochen nicht passiert. Auf der Arbeit bin ich in ein neues Büro umgezogen. Sein größter Vorteil gegenüber dem alten ist der Baum vor dem Fenster, in dem zwei Eichhörnchen wohnen. Toll! Alle paar Tage sehe ich sie auf ihrem Weg nach oben oder unten, wenn sie mit der Futtersuche beschäftigt sind. Letzte Woche saß eins der beiden sogar mehrere Minuten lang in Sichtweite still auf einem Ast, während es eine Nuss zerlegt und aufgegessen hat. Oh!
Am Monatsanfang waren der Freund und ich zur Filmpremiere einer Bekannten eingeladen, die Regie studiert. Der Film war handwerklich gut gemacht, die Kameraführung toll, schöne Einstellungen, tolle Beleuchtung. Die Schauspieler waren gut, obwohl sie alle Amateuere waren. Allerdings litt der Film ein wenig unter den Ambitionen seiner Macher. Die Story war relativ verworren und undurchsichtig, einiges musste sich der Zuschauer selbst erschließen. Nach dem Film konnten wir noch kurz mit der Bekannten sprechen und hörten heraus, dass kaum jemand die Geschichte verstanden hatte – ich muss zugeben: wir auch nicht.
Gegenüber des Vorführsaales hing dieser Literaturautomat und machte mich neugierig:

Für nur zwei Euro wurde dort ein Häppchen Literatur versprochen. Die Fächer trugen Titel wie “Das Beste aus 5 Jahren Automat”, “Unter Ventilatorenwind” oder “Literaturautomatenselbstbaubox”. Ich stellte mir darunter kleine Bücher vor, vielleicht mit je einer Kurzgeschichte gefüllt. Bevor wir gingen warf ich also ein Zwei-Euro-Stück ein und zog eine Schublade auf. Heraus kam das hier:

Eine Pappschachtel zum Aufklappen, und darin lagen acht Gedichte und Kurztexte von wechselnder Qualität. Nun ja. Schade. Doch ich hatte noch Glück. Mit uns zur Premiere gefahren war eine Arbeitskollegin meines Freundes. Die wollte nun auch ziehen und entschied sich für die Literaturautomatenselbstbaubox. Doch die enthielt nur einige leere Karten und die Ermutigung, eigene Werke auf diesen Pappen zu verewigen. Super.
Die Kollegin ärgerte sich ein wenig und wollte dann die gleiche Sammlung haben wie ich. Eigentlich hätte ich ihr auch meine geschenkt, aber mein Freund wollte sie behalten. Also warf sie weitere zwei Euro ein, zog am Fach “Das Beste aus…” und ärgerte sich noch mehr. Die Schachteln waren nämlich nicht gleichmäßig nachgerutscht, sodass sie eine leere Schublade herausgezogen und nochmal zwei Euro für nichts ausgegeben hatte.
Gemeinsam schimpften wir auf die Aufsteller des Automaten, und die Kollegin überlegte, ihnen eine Beschwerdemail zu schreiben. Dann fuhren wir wieder nach Hause und diskutierten währenddessen mögliche Auflösungen des Films – ohne echtes Ergebnis.